Feminismus & Netzkultur
Über das Projekt

Als ich in die Grundschule kam, trat mein bester Freund in den Fußballverein ein. In den Pausen spielte er mit den Jungs aus seiner Mannschaft und mittags hatte er keine Zeit mehr zum Spielen, weil er zum Training musste. Also wollte ich auch Fußball spielen. Aber mein Papa sagt nein, das sei viel zu gefährlich und brutal. Er sagte nicht nein, weil ich ein Mädchen bin, da bin ich sicher – auch wenn er seinen Sohn hätte spielen lassen, wenn er einen gehabt hätte, das weiß ich.

In der neunten Klasse durften wir im Sportunterricht zwischen verschiedenen Sportarten wählen – Handball gab es aber nur für Jungs. Die meisten Mädchen wollten ja sowieso tanzen. Da habe ich mich zum ersten Mal wegen meines Geschlechts benachteiligt gefühlt und lautstark meine Rechte eingefordert. Mit Erfolg – ich durfte als einziges Mädchen am Handballkurs teilnehmen.

Bis dato hätte ich mich nie als Feministin bezeichnet – die Probleme, die Frauen früher hatten, gab es doch gar nicht mehr. Frauen dürfen wählen, Frauen dürfen studieren, Frauen dürfen Karriere machen. Alles bestens.
Dass nicht alles bestens ist, zeigt sich spätestens im Gender Pay Gap. Frauen bekommen im Durchschnitt rund ein Viertel weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen – und das in der gleichen Position. Das zeigt sich, wenn Frauen Karriere und Kind nicht vereinbaren können, weil die dafür erforderlichen Bedingungen vom Staat nicht geschaffen werden. Das zeigt sich, so lange wir deutlich mehr Männer in Führungspositionen haben, obwohl Frauen die gleichen Qualifikationen besitzen.

Und um diese immer noch herrschenden Missstände zu verdeutlichen, brauchen wir Feminismus.

Doch kaum ist das böse F-Wort aus dem Mund, wird gleich der Stempel aufgedrückt – von Männern und von Frauen gleichermaßen. Feministen und Feministinnen werden von der breiten Masse auch heute noch als burschikose Männerhasserinnen verstanden, obwohl sich gerade in den letzten Jahren viel verändert hat.

Es gibt viele junge Menschen, die sich abseits dieser alten Klischees engagieren und hart dafür arbeiten, dass das auch anerkannt wird. Das möchte ich mit meinem Projekt veranschaulichen. Und dazu beitragen, dass überflüssige Kommentare wie „Feminismus? Ach Alice Schwarzer und so“ irgendwann Geschichte werden.

One Comment

  1. Posted 1. Juni 2011 at 09:23 | Permalink

    Schöner About-Text, cooles Projekt! Liebe Grüße :)

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