BarCamp Frauen
Zwischen Beruf und Familie, Frauenquote und Pornografie

Welche Themen beschäftigen junge Frauen und Männer heutzutage? Beim BarCamp Frauen versuchen die Teilnehmer Antworten auf ungelöste Probleme unserer Gesellschaft zu finden und kritische Diskussionen zu führen – da müssen nicht alle einer Meinung sein.

Es war das erste BarCamp für „Frauenthemen“, aber die Themen gingen alle etwas an, als sich im Oktober 2010 rund 100 Frauen und Männer in der Kalkscheune in Berlin trafen. SPD, derFreitag, Vorwärts und Mädchenmannschaft hatten gemeinschaftlich zum ersten BarCamp Frauen geladen.

Entstanden ist die Idee zu einem speziell auf Frauen ausgerichteten BarCamp aus einer Frustration heraus: „Als die SPD bei der letzten Bundestagswahl 21 Prozent der Stimmen bei jungen Frauen verlor, machte sich Unzufriedenheit breit“, sagt Nancy Haupt, die das BarCamp mitorganisiert. „Wir haben uns gefragt, was junge Männer und Frauen eigentlich bewegt, wir wollten mit ihnen ins Gespräch kommen und zuhören.“ Aus dieser Frage heraus entstand die „Projektgruppe Junge Frauen“ und die fixe Idee zu einer Veranstaltung, mit der SPD wieder zum Sprachrohr für Gleichstellung und junge Menschen werden sollte.

BarCamps sind ein Phänomen des Web 2.0. Sie sind eine Art „Un-Konferenz“, weil die Themen von den Teilnehmenden selbst bestimmt werden dürfen. „Der Ablauf ist spontan und ungeplant, auch wenn im Vorfeld schon Themenvorschläge eingereicht werden können“, sagt Nancy Haupt. „Es sind auch nicht alle Vorschläge umgesetzt worden, weil andere dann doch spannender waren.“

Es gibt keine Tabuthemen

Auch wenn die Veranstaltung von der SPD finanziert und organisiert wird, legt Nancy Haupt sehr großen Wert darauf, dass die Veranstaltung keine SPD-Veranstaltung sei: „Die SPD und das BarCamp Frauen – das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Vorrangig sind die Themen.“ Und fügt hinzu: „Wenn das nicht so wäre, würde auch niemand mehr kommen.“ Laut Haupt werde auch kein Einfluss auf die Themen genommen, es gäbe also auch keine Tabus.

Nachdem die Diskussionspunkte des ersten Camps auch im konservativeren Flügel der Partei bekannt wurden, hagelte es Kritik und Nancy Haupt musste sich manchen Rüffel gefallen lassen. „Was das denn noch mit Politik zu tun hätte, wurde ich gefragt“, sagt sie. „Es betrifft die Gesellschaft, also ist es auch politisch“, habe sie geantwortet.

Aber auch von Seiten der Teilnehmenden kam Kritik auf, der Name BarCamp Frauen sei nicht inklusiv. Und das sah man auch an den Teilnehmern: „Überwiegend akademisch geprägt, weiß und mit Abschluss“, sagt Nancy Haupt. Im kommenden Jahr will man das ändern, auch durch die neuen Medienpartner Missy Magazine und Gazelle, die noch einmal eine andere Zielgruppe erreichen.

Gute Stimmung bei der #barfrau

Auch wenn die Veranstaltung kein „geschützter Raum“ war, sei die Atmosphäre sehr besonders gewesen. „Es war ein gepflegtes, freundliches und respektvolles miteinander“, sagt Nancy Haupt. „Jeder hatte Achtung vor den anderen und deren Meinung.“ Wären mehr Männer dabei gewesen, sei die Hemmschwelle sicher größer gewesen. Auch die Themenwahl wäre sicher anders ausgefallen. „Dennoch war es auch für Männer interessant, vor allem die Diskussion rund um feministische Pornos waren Neuland für sie. Da konnten sie noch einiges über Frauen lernen“, sagt sie.

Nur etwa 15-20 Prozent der Teilnehmenden vor Ort waren Männer, via Twitter waren aber auch einige dabei, die der Veranstaltung mit dem Hashtag #barfrau folgten und kommentierten. Auch das soll sich ändern, wenn es nach Nancy Haupt geht: „Gleichstellung muss mit beiden Geschlechtern diskutiert werden, nur so ist das sinnvoll.“ Dazu soll auch ein neuer Name beitragen: „BarCamp Frauen war eigentlich auch nur der Arbeitstitel“, sagt Nancy Haupt, „aber irgendwie ist der Name durchgesickert und dann gab es auch kein Zurück mehr. „Für verrücktere Überlegungen, wie das BarCamp ‚Frauen, Typen, Tussen, Kerle‘ zu nennen, waren wir im ersten Jahr auch noch nicht mutig genug“.

Der neue Titel stehe noch nicht fest, aber eine Flasche Sekt werde beim anstehenden Brainstorming sicher zu einem mutigeren Namen beitragen, sagt Nancy Haupt und lacht. Wer eigene Ideen für einen passenderen Namen hat, kann sich auch online an der Diskussion beteiligen.

Das nächste „BarCamp Frauen“ findet am 15.Oktober 2011 in Berlin in der Kalkscheune statt.

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Nancy Haupt, 1979 geboren, und wohnhaft in Berlin. Studium der Germanistik/Soziologie/Wirtschafts-und Sozialgeschichte (M.A.) in Dresden. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag für die SPD-Bundesfraktionen mit den Schwerpunkten Frauen- und Genderpolitik.