GenderCamp
»All genders welcome«

Das GenderCamp ist eine Veranstaltung für alle, die sich für die Schnittstellen von Feminismus und Netzkultur interessieren. Ziel des 3-tägigen Workshops ist es, interessierte Menschen zusammenzubringen, zu vernetzen und Projekte anzustoßen. Doch gerade offene Strukturen können Probleme mit sich bringen.

Das GenderCamp ist das weltweit erste BarCamp zum Thema Geschlechterverhältnisse und Netzpolitik. Veranstaltet wurde es erstmals 2010. Rund 50 Teilnehmende organisierten, konzipierten und diskutierten unter dem Titel „Im in ur Internetz, Deconztructin ur Gender!“ in 25 verschiedenen Sessions Schnittstellenthemen rund um Gender, Queer, Feminismus, Internet und Netzkultur. Träger des GenderCamps ist das ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll bei Hamburg.

Das Engagement der Verantwortlichen, freiwilligen Helfer und Teilnehmenden zahlte sich aus – am 5. Mai 2011 erhielt das GenderCamp 2010 den „Preis Politische Bildung“. Das BarCamp teilte sich den (undotierten) Sonderpreis mit Radio Corax aus Halle/Saale.

Neue Zielgruppen durch Social Media

Bei der Preisverleihung betonte die Laudatorin Barbara Menke, die Geschäftsführerin von Arbeit und Leben mehrfach, wie wichtig das Social Web für Politik und politische Bildung sei: „Das Web 2.0 hat die Welt verändert! Das Web 2.0 hat die Politik verändert! Wie die Beispiele der jüngsten Vergangenheit deutlich gezeigt haben, ist das Web 2.0 auch ein Medium, um für politische Themen zu interessieren und zu mobilisieren.“

Das sind Themen wie der Umgang mit sexistischen und rassistischen Kommentaren auf Weblogs und die Frage, wie Autoren mit aggressiven Drohungen umgehen sollen. Auch Geschlechterverhältnisse im Netz spielen eine große Rolle – das sichtbar machen queer-feministischer Themen ist ein zentrales Ziel der feministischen Netzszene.

Die Jury habe sich für das BarCamp entschieden, weil die Veranstaltung durch die Verknüpfung von Ansätzen aus der Netzwerkarbeit und der klassischen Bildungsarbeit neue Zielgruppen erreiche und für politische Bildungsarbeit gewinne. „Die vielfältigen Lern- und Arbeitsformen, die weitgehend selbstbestimmt eingesetzt wurden, machten es möglich, intensiv inhaltliche Schwerpunkte zu bearbeiten“, fasste Menke die Begründung der Jury zusammen. Das sei ein anspruchsvoller und nachhaltiger Ansatz.

Offen ist nicht immer gut

Für die Veranstalter gab es keine Zeit, sich lange auf dem Preis auszuruhen – acht Tage später fand bereits das zweite GenderCamp statt. Als die Anmeldung für das GenderCamp 2011 eröffnet wurde, war die Nachfrage so groß, dass die 60 angedachten Plätze innerhalb von 25 Stunden ausverkauft waren. Das Organisations-Team entschied sich, für weitere 20 Personen Platz zu schaffen und ein Matratzenlager und Möglichkeiten zum Zelten auf dem Gelände anzubieten. Zusätzlich gab es die Option, auf eigene Kosten außerhalb zu übernachten.

Die Jury des „Preis Politische Bildung“ lobte am GenderCamp speziell die offene Struktur. Diese ermögliche einen Bildungsansatz, der sehr präzise an den Interessen, Kenntnisständen und Motivationslagen der Teilnehmenden ansetzen könne. Doch genau diese offene Struktur führte 2011 zu Problemen.

Ein anonymer offener Brief sprach Probleme an, die sich im Laufe des Camps entwickelt und zum Unwohlsein von Teilnehmenden geführt hätten. Dabei ging es vor allem um Machtverhältnisse und Diskriminierungen. Die Veranstalter wären zu dominant aufgetreten und Redeanteile nicht gleichmäßig verteilt worden. Gendertheoretische Begriff abseits der Allgemeinbildung wurden vermehrt vorausgesetzt, das hätte Sprachbarrieren geschaffen. Organisationsstrukturen, die gerade im queer/feministischen Kontext wichtig seien, hätten gefehlt.

Noch während der Veranstaltung setzten sich einige Teilnehmende zusammen und überlegten sich Strategien für das nächste Jahr, die solchen Schwierigkeiten entgegen wirken sollen. Einsteiger-Workshops für Themen wie Gender, Queer und Technik wären eine Möglichkeit dazu beizutragen, dass ein bestimmtes Grundwissen bei allen vorhanden ist. „Personen-Info-Points“ könnten als Anlaufstationen dienen, sobald eine einzelne Person eine Frage hat, die sie nicht in der großen Gruppe besprechen möchte. Eine weitere Idee war, einen Schutzraum als Rückzugsort einzurichten. Alle Vorschläge wurden festgehalten und sollen bis zum nächsten Jahr kommentiert, diskutiert und verbessert werden. Denn darum geht es ja beim GenderCamp: Offen über Probleme sprechen, Lösungen finden und anwenden.